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Corona crashed Immobilie

Herzlich willkommen zum Artikel „Corona crashed Immobilie“ der Wohnungsanalyse. Ziel dieses Artikels ist es, Ihnen in möglichst kurzer Zeit auf informative Weise einen Einblick über die möglichen Auswirkungen der aktuellen Krise auf ein Immobilieninvestment aufzuzeigen. Als Beispiel wird eine Immobilie eines privaten Anlegers herangezogen, die voll finanziert wurde. Ziel des privaten Investors war es, mit der Immobilie langfristig durch die Tilgung Kapital aufzubauen, um für das Alter vorzusorgen. Eigenmittel hat der Käufer in diesem Beispiel nicht eingebracht. Es wird ein fiktives Szenario, basierend auf Auswirkungen der Coronakrise auf Immobilien, dargestellt. 

Wir wünschen Ihnen viel Spaß bei der Lektüre.

Der Immobilienmarkt reagiert in seiner Gesamtheit relativ träge auf konjunkturelle Veränderungen. Die aktuelle Wirtschaftskrise, ausgelöst durch das Corona Virus, schlägt ebenfalls erst wieder mit Verzögerung auf den Immobiliensektor durch. Generell halten sich derzeit die Marktpreise noch stabil und auch die Höhe der Mieten zeigen keinen nennenswerten kriesenbasierten Rückgang.

Dennoch sind die ersten Auswirkungen bereits am Immobilienmarkt deutlich spürbar. Der Schaden im gewerblichen Sektor dürfte hier bereits im Milliardenbereich angekommen sein. Neben den lokalen Ladengeschäften aus der Stadt haben nämlich vor allem auch Hotels sowie Ferienwohnungen und weitere touristische Unterkünfte mit gravierenden Umsatzeinbußen auf unbestimmte Zeit zu kämpfen. Im privaten Sektor kommt es ebenfalls zu ersten Zahlungsausfällen von Mietern. Hier haben vor allem Selbstständige mit Einbußen durch den teilweisen oder vollständigen Wegfall von Aufträgen aber auch Angestellte durch Jobverlust oder Kurzarbeit zu kämpfen.

Die tatsächlichen Auswirkungen auf die Immobilieneigentümer sind derzeit noch nicht genau abzuschätzen. Aber eins ist klar, ausbleibende Zahlungen von Mietern haben bei dem ein oder anderen Immobilieninvestor ausbleibende Kreditrückzahlungen an die Bank zur Folge, wodurch oft rein rechtlich eine Kündigung des Kreditvertrages möglich ist. Aktuell wird die Möglichkeit auf Aussetzung der Kreditraten diskutiert, was wohl teilweise schon möglich ist.

Ebenfalls kann eine länger andauernde Wirtschaftskriese einen deutlichen Rückgang in der Nachfrage nach Immobilien mit sich ziehen, wodurch langfristig mit sinkenden Marktpreisen zu rechnen ist. Finanzierende Banken könnten einen Preisrückgang zum Anlass nehmen, um die Kreditsicherheiten – sprich die fremdfinanzierten Immobilien – neu zu bewerten. Stellt sie dabei fest, dass sich die Relation von Fremdkapital und Wert des Objektes, also der Beleihungswert, hierbei verschlechtert hat, kann sie Immobilieninvestoren, je nach Kreditvertrag, dazu auffordern, diese Differenz in Form einer finanziellen Nachforderung auszugleichen. Nicht jeder dürfte in der Lage sein, das dann geforderte zusätzliche Kapital ad hoc aufzubringen. Diese kriesenbasierten Nachwehen dürften vielen Immobilieninvestoren, die kein solide aufgebautes Portfolio besitzen und ohne ausreichend Kapitalpuffer verfügen, das Genick brechen.

Um dies anhand eines einfachen Beispiels zu verdeutlichen möchten wir nachfolgend ein kleines Szenario zur Veranschaulichung darstellen. Wir betrachten heute eine 115%-Finanzierung unter Berücksichtigung möglicher Auswirkungen durch die Corona -Krise.

Das Investment vor der Krise:

  • Etagenwohnung
  • Größe: 72 m2
  • Kaufpreis: 208.000 € (2.889 €/m2)
  • Kaufnebenkosten und Renovierungskosten: 35.000 €
  • Gesamtkosten: 243.000 €
  • Anteil EK: 0 €
  • Finanzierung: 243.000 €
  • Annuität: 4,0% (2,0 % Tilgung, 2,0 % Zins), 10 Jahre
  • Monatliche Belastung: 810 € (ohne Versicherungen, etc., nur Annuität)
  • Monatliche Mieteinnahmen: 910 € kalt (10.920 €/a)
  • Nicht umlagefähiges Hausgeld: 90€
  • Mieter: Selbstständig, gute Auftragslage

Das Investment trägt sich vor der Krise, ohne dass der Investor liquide Mittel in die monatliche Annuität zuschießen muss. Es gibt sogar einen minimalen Cashflow. Sein Objekt trägt sich sozusagen von alleine und der Eigentümer erhofft sich durch die Tilgung einen langfristigen Kapitalaufbau. 

Die Bruttorendite bei dieser Investition beläuft sich aktuell auf 5,25 %. Die Nettorendite beträgt etwa 4 %.

Das Investment nach der Krise (Szenario):

Durch die wirtschaftliche Krise in Zeiten des Corona-Virus sind die Immobilienpreise im Schnitt um 20% gesunken. Der selbständige Mieter kann aufgrund der Stornierung fast aller seiner Aufträge ab April vorerst keine Mietzahlungen mehr leisten und bittet den Vermieter um einen Aufschub.

Sehen wir uns die Lage des Vermieters bzw. Investors im Detail an:

Wir gehen davon aus, dass der Vermieter das Objekt vor 3 Jahren gekauft hat und im Rahmen seiner Tilgung bereits 6% der Finanzierungssumme von 243.000 € getilgt hat. Das bedeutet, seine offenen Verbindlichkeiten an die Bank belaufen sich für dieses Objekt auf 227.986,60 €. Das bedeutet weiterhin, dass in den bisherigen 3 Jahren erst ein kleinerer Teil der Nebenkosten getilgt wurde. Seine Etagenwohnung wird nun durch die Bank neu bewertet. Die Bank geht von einem Wertverlust von 20% an seinem Standort aus. Sein Objekt steht nun mit 166.400 € in den Büchern.

Da der Mieter vorerst drei Mieten nicht zahlen kann, reduzieren sich die Jahresmieteinnahmen auf 8.190 €. Hierdurch fällt seine Bruttorendite in diesem Jahr auf 3,94 %. Seine Nettorendite liegt nun bei etwa 2,9 %. Durch die Mietausfälle erhält der Investor im Schnitt 683 € Miete im Monat (910 € x 9 Monate / 12). Er muss also jeden Monat 212 € draufzahlen, damit seine Annuität und das nicht umlagefähige Hausgeld gedeckt werden kann.

Die Zahlen des Investments nach der Krise auf einen Blick:

  • Etagenwohnung
  • Größe: 72 m2
  • Kaufpreis: 208.000 € (2.889 €/m2) => aktueller Wert 166.400 € (20% Wertverlust)
  • Kaufnebenkosten und Renovierungskosten: 35.000 €
  • Gesamtkosten: 243.000 €
  • Anteil EK: 0 €
  • Finanzierung: 243.000 €
  • Restschuld nach 3 Jahren 227.986 € 
  • Monatliche Belastung: weiterhin 810 € (ohne Versicherungen, etc., nur Annuität)
  • Monatliche Mieteinnahmen: 683 € kalt (8.196 €/a)
  • Nicht umlagefähiges Hausgeld: weiterhin 90€

In diesem Jahr zahlt der Investor 2.544 € drauf, um seine Annuität bei der Bank weiterhin regulär zu bedienen. Zudem ergibt sich ein Wertverlust von 41.600 € (208.000 € Kaufpreis – 166.400 € neuer Wert der Immobilie). Dies Restschuld des Investors beträgt sogar 227.986 €, da er auch Kaufnebenkosten mitfinanziert hat. Wenn er nun seine Wohnung zum aktuell bewerteten Preis verkaufen würde, ergäbe sich – trotz dreijähriger Tilgung – ein Gesamtverlust von 61.586 € (Restschuld 227.986 € - neuer Wert 166.400 €). Wenn nun noch der Zuzahlungsbetrag, um die Annuität zu bedienen, dazugerechnet wird (2.544 €) liegt der Gesamtverlust bei 64.130 €.

Ein ungünstiges Szenario für den Investor. Eigentlich wollte er Kapital mit einer sicheren Anlageform aufbauen. Das Gegenteil ist nun der Fall. Es könnte sogar soweit kommen, dass die Bank vom Eigentümer einen Gewissen Betrag einfordert, damit der Beleihungswert aufgrund der Neubewertung nicht zu hoch ist. In dieser Situation wäre es nicht eine 115%-Finanzierung, sondern sogar Tagaktuell eine 136,6%-Finanzierung.

166.400 € = 100 %

227.986 € = 136,6 %

Wir sehen hier, dass sich „kleinere“ und „größere“ Marktänderung extrem ungünstig auswirken können.

Unser Rat in solchen Situationen:

Befinden Sie sich in einer ähnlichen Situation oder haben Angst, dass Sie sich auf eine solche Situation zubewegen raten wir erst einmal dazu, Ruhe zu bewahren. Ob Immobilien tatsächlich in solchen Größenordnungen an Wert verlieren, bleibt ungewiss. Sind Sie von Mietausfällen betroffen, behalten Sie die aktuellen Entwicklungen genauestens im Blick. Insbesondere welche Möglichkeiten der Fiskus bietet, sollte beobachtet werden. Zudem mit der finanzierenden Bank sprechen, um ggf. die Annuität oder die Tilgung auszusetzen. Hier wird jedoch ggf. eine Gebühr fällig.

Ob und in welcher Höhe das Kreditinstitut einen Nachschuss verlangen kann bzw. darf, steht auf einem anderen Blatt. Prüfen Sie Ihren Kreditvertrag und sprechen Sie auch frühzeitig mit Ihrer Bank über das Thema. So können Sie sich bestmöglich auf die kommende Situation einstellen. Möglich ist auch, dass die Bank Veränderungen des Verkehrswertes während der Laufzeit weitgehend ausblendet. Ggf. erholen sich die Preise wieder und zwei Jahre später ist alles beim Alten. Erst einmal besteht kein Grund zur Panik. Besonnen handeln hilft wohl in dieser Situation am meisten.

Wenn Sie aktuell ihre Immobilie mit Gewinn verkaufen könnten, denken Sie möglicherweise über einen Verkauf nach. Dies ist völlig legitim und je nach eigenem Ermessen und Sicherheitsbedürfnis zu realisieren. Berücksichtigen Sie hierbei jedoch unbedingt auch die steuerliche Situation, falls beim Verkauf Gewinne realisiert werden.

Eine Glaskugel haben wir alle nicht. Es bleibt also bei Prognosen, Vermutungen, Annahmen und Theorien. Eines ist jedoch sicher, es bleibt spannend!

Verschiedene Szenarien berücksichtigen wir bereits ab unserem „Smartcheck“. Hier sehen Immobilienkäufer ob und wie sich Ihre Immobilie rechnet, auch unter schlechteren Bedingungen. So kann man die Immobilie auch auf „weniger Optimale“ Entwicklungen ausrichten, damit das Investment nachhaltig stabil ist.

Wir wünschen Ihnen alles Gute, viel Ruhe und Gesundheit in dieser herausfordernden Zeit.

Ihr Team von der Wohnungsanalyse

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Corona Krise und Immobilien

Mögliche Auswirkungen der Corona-Krise auf den Immobilienmarkt

Hallo liebe Immobilienfreunde. Heute möchten wir unsere Gedanken zur Corona-Krise in Zusammenhang mit Immobilien erläutern. Viele Eigentümer, Investoren, Finanzierungsberater, Makler und Eigennutzer stellen sich aktuell die Frage, welche Auswirkungen die Corona-Krise auf den Immobilienmarkt haben kann. Es gibt viel Ungewissheit!

Viele Vermieter werden mit Mietausfällen konfrontiert werden, da sich die Zahlungskraft einiger Mieter verschlechtern wird. Viele Unternehmen schicken Mitarbeiter in den unbezahlten Urlaub, da es nicht flächendeckend die Möglichkeit zur Ausübung von Homeoffice gibt. Insbesondere in Branchen bzw. Bereichen, wo die körperliche Anwesenheit des Mitarbeiters erforderlich ist, ist Homeoffice keine Alternative. Hier gibt es verschiedenen Lösungen wie z. B. Kurzarbeit, Abbau von Überstunden, etc., was aber insgesamt die Finanzkraft des Angestellten schwächen dürfte. Einige Branchen wird es besonders stark treffen und die Angestellten dort, dürften besonders geschwächt werden. Als Beispiel kann die Gastronomie aufgeführt werden. Hier werden Angestellte oft auf Stundenbasis bezahlt. Sofern weniger Gastronomiebetrieb erfolgt oder sogar Schließungen staatlich angeordnet werden (Beispiel Kneipen in Berlin), wird diese Branche hart getroffen.

Sofern man sich selbst mit dem Coronavirus infiziert, sind die Verläufe und Langzeitfolgen unklar. Es gibt zwar viele Heilungen und milde Krankheitsverläufe aber auch das Gegenteil kann die Folge sein (sehr schwere Verläufe). Wie lange eine Krankschreibung finanziell abgefedert werden kann, unterscheidet sich stark. Angestellte können eine Krankschreibung meistens 6 Wochen relativ gut abfedern, da hier der Arbeitgeber i.d.R. das Gehalt fortzahlt. Aber schon in Schichtbetrieben mit Nacht- und Wochenendzuschlägen wirkt sich hier eine kurze Krankschreibung negativ auf das Gehalt aus. Zuschläge fallen ab dem ersten Tag der Krankschreibung weg. Bei Freiberuflern und Selbstständigen sind die Auswirkungen auch oft ab dem ersten Tag der Krankschreibung spürbar. Nicht jeder hat mit Versicherungen ausreichend vorgesorgt. Auch wer nicht unmittelbar betroffen bzw. infiziert ist, kann durch häusliche Quarantäne finanziell beeinträchtigt werden. Wer, ob und wie lange man sich in Quarantäne begeben muss, entscheidet wohl das örtliche bzw. zuständige Gesundheitsamt.

Auflistung möglicher Resultate:

  • Mietausfälle in allen Bereichen: kann die gesamte Wirtschaft durch Verkettung schwächen.
  • geschwächte Vermieter, die Ausfälle kompensieren müssen: Mietausfälle bei privaten und gewerblichen Immobilienkäufern führen dazu, dass vermehrt Eigenmittel zur Kompensation dienen müssen. Dies kann weiterhin dazu führen, dass weitere Investitionen vorerst gestoppt oder aufgeschoben werden.
  • weniger Investitionen durch weniger Finanzkraft insgesamt
  • ggf. etwas sinkende Immobilienpreise: Bei Anlegern mit 100% und 110%-Finanzierungen ist schnell eine Überschuldung möglich, sofern die Preise fallen. Dies kann wieder dazu führen, dass weitere Kredite erschwert zu bekommen sind.
  • Unsicherheit: Handlungen werden hinausgezögert. Es wird mehr abgewartet.
  • Weniger Umzüge: Wer nicht dringend umziehen muss, wartet eher ab, bis die Zeiten etwas ruhiger werden.
  • Weniger Finanzierungen (betrifft viele Finanzierungsberater): Die gesamte Finanzierungsbranche könnte von insgesamt weniger Immobilienkäufen geschwächt werden.
  • Weniger Verkäufe (betrifft viele Makler): Die gesamte Maklerbranche könnte von insgesamt weniger Immobilienverkäufen geschwächt werden.
  • Zinsänderungen: Denkbar sind hier verschiedene Möglichkeiten. Noch geringere Zinsen, um Käufe anzukurbeln. Jedoch auch steigende Zinsen, um das steigende Kreditausfallrisiko auszugleichen.

Klar ist, dass einige Branchen hart von der Krise betroffen sein werden.

Unser Rat:

Investitionsobjekte sollten sich auch bei einem Mietausfall oder bei preislichen Anpassungen (Objektpreise, Wertverlust) noch tragen und Rendite abwerfen. Hierzu müssen verschiedene Szenarien betrachtet werden und die Finanzierungsstruktur sollte angepasst sein. Auch ein gewisses Maß an Eigenmitteln ist empfehlenswert. Sowohl als Eigenkapital in der Investition selbst und als Sicherheitspolster, um Unvorhergesehenes abzufedern.

Bereits in unserem beliebten Smartcheck gehen wir von verschiedenen Szenarien aus, um ein Investment nicht nur unter optimalen Bedingungen zu betrachten. Wer die langfristig berücksichtigt, wird auch langfristig mit kleineren und größeren Wirtschaftskrisen fertig werden.

Weiterhin sollten Sie aktuell Vorsicht walten lassen und nicht überstürzt handeln. Beobachten Sie aufmerksam den Markt. Sofern Sie von Mietausfällen betroffen sind, empfehlen wir Ihnen, mit den Mietern zu sprechen, um ggf. Sondervereinbarungen zu treffen, um gemeinsam gut aus der Situation zu kommen. Sie sind Mieter und selbst in einem finanziellen Engpass? Sofern die Möglichkeit besteht, sprechen Sie aktiv ihren Vermieter an, um gemeinsam Lösungen zu finden.

PS: Jede Krise birgt auch immer Chancen! Was können wir daraus lernen? Wer profitiert von der Krise? Was können die Chancen sein? Mit diesen und weiteren Fragestellungen befassen wir uns aktuell. Ein Artikel hierzu folgt.

Viele liebe Grüße und bleiben Sie bitte gesund!

Team Wohnungsanalyse


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